Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend
Inhalt
Oliver Kluck zur gleichnamigen Autobiografie von Andreas Altmann
Uraufführung
Die viel beachtete Autobiografie von Andreas Altmann ist ein schonungsloser Rückblick auf eine Kindheit im erzkatholischen Wallfahrtsort Altötting, auf seelische und körperliche Misshandlungen durch den von Nationalsozialismus und Krieg verwüsteten Vater. In seiner „Betrachtung“ zu Altmanns Autobiografie legt Oliver Kluck sein Augenmerk weniger auf das Einzelschicksal, sondern auf dessen Allgemeingültigkeit und stellt das Musterhafte einer Kindheit in der deutschen Nachkriegszeit heraus.
„Entgegen aller Vorhersagen, lässt sich selbst der ehrbarste Bürger, der Kirchengänger, der praktizierende Katholik, der regelmäßige Steuerzahler, der Kunstverständige, der Theaterbesucher, der Abonnent überregionaler Zeitungen, der Studierte, der Promovierte, der Publizierte, der Gefragte, der Meinungsmacher, der Wächter kultureller Werte, der Vater, der Ehemann, der gute Sohn und Schwiegersohn, der schwer zu Provozierende, der Ausgeglichene, der in sich Ruhende, der Erfolgreiche, der gemachte Mann, der hilfsbereite, zu allen Freundliche, der Überzeugte, der Beständige ohne weiteres verlocken. Nicht mehr muss man tun, als ihn im Kreis seiner Applausklatscher aufzusuchen.“
Andreas Altmann gehört zu den bekanntesten deutschen Reiseautoren und wurde u. a. mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis, dem Säume-Literaturpreis und dem Reisebuch-Preis ausgezeichnet. Altmann lebt in Paris. Seine Autobiografie ist beim Piper Verlag erschienen.
Zum Autor
Oliver Kluck, geboren 1980 auf der Insel Rügen, ist freier Autor. Sein Werk wird durch den Verlag Felix Bloch Erben vertreten. Weitere Infos zum Autor finden Sie unter
www.oliverkluck.de
Zur Regisseurin
Christina Rast, geboren in Luzern, arbeitet als Regisseurin u. a. am Thalia Theater Hamburg und am Schauspiel Hannover.
Das Scheißleben … ist ihre neunte Arbeit am Schauspielhaus Graz.
Die PREMIERE ist am Mittwoch, 30. April, 20 Uhr, auf der Probebühne.
Im Anschluss an die Premiere signiert Andreas Altmann am Büchertisch der Buchhandlung büchersegler hier erworbene und mitgebrachte Bücher.
Tickets & weitere Informationen unter 0316 8000 oder
tickets@ticketzentrum.com Pressestimmen
„Dass der Titel des eigenständigen Theatertextes und jener der Biografie identisch sind, ist verwirrend. Doch das machen die schauspielerischen Leistungen von Thomas Frank, Sebastian Klein, Florian Köhler und Franz Solar, die abwechselnd alle Altmann, seine Brüder, den Vater, die Mitläuferin und die schweigend die Folter der Kinder beobachtende Haushälterin sowie die geflohene Mutter spielen, schnell vergessen. Die vier Männer eignen sich die Figuren so authentisch, rührend und dann trotz aller Grausamkeiten sogar wieder komisch an, dass dieser Abend ein eigenständiges Kunstwerk wird. Die punktgenaue Regie von Christina Rast und die katholisch frömmelnde Bühne von Fatima Sonntag helfen dabei ganz ungemein. Klucks Text beginnt protokollarisch mit Stationen einer Jugend, die von einem bayerischen Kaff in diverse Großstädte zum Studium und zur Therapie und schließlich in die weite Welt führt. [...] Tosender Applaus. Schwere Empfehlung.“
(Colette Schmidt, Der Standard, 2. Mai 2014)
„Oliver Klucks Bearbeitung versucht dem autobiografischen Exorzismus einen allgemeinen Kommentar auf das Nachkriegsdeutschland abzuringen. Regisseurin Christina Rast lässt wenige Momente zu, in denen der Horror dieser „Scheißjugend“ ohne sarkastische Brüche stehen bleibt. diese wirken dafür umso stärker. Zu schillerndem Leben erweckt wird der Abend von einem großartigen Darstellerquartett, das die unterschiedlichen Facetten dieser gequälten Figur und dessen Weg zur Befreiung auf unterhaltsame, aber doch tragische Weise auf die Bühne bringt.“
(Christoph Hartner, Kronen Zeitung, Steirerkrone, 2. Mai 2014)
„Regisseurin Christina Rast macht aus einer geschundenen Kinderseele viele und schickt vier Schauspieler - Thomas Frank, Sebastian Klein, Florian Köhler und Franz Solar, allesamt großartig - in die rastlose, stramme Inszenierung und die karge altarförmige Devotionalienzelle der Ausstatterin Fatima Sonntag. Abwechselnd oder synchron schlüpfen sie in die Rollen des Sohnes, des Vaters, der Mutter, des Bruders oder der Stiefmutter.“
(Julia Schafferhofer, Kleine Zeitung, 1. Mai 2014)
„Gänsehaut und Lachanfälle. [...] Rastlos schichten vier Darsteller sinnlos Madonnenstatuen hin und her, machen schweißüberströmt Sit-ups, springen bis zur Erschöpfung über eine Bank. „Verschärfter Arbeitsdienst“ nennt das der Vater, als Strafe für den Sohn, der ihm Briefmarken gestohlen hat. Eine der absurd erschütternden Szenen am Mittwochabend in Graz in der bejubelten Uraufführung von Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend von Oliver Kluck – nach der Autobiografie des vielfach ausgezeichneten Reporters Andreas Altmann.“
(Irmgard Rieger, www.welt.de, DPA, 1. Mai 2014)
„Der Schriftsteller Oliver Kluck, aus Rügen stammender Bühnenautor mit Vorliebe für Wortwuchtiges (etwa Die Froschfotzenlederfabrik), hat daraus eine dichte, intensive Theaterfassung geschaffen. Er vervielfacht die auftretenden Personen und macht so das Einzelschicksal allgemeingültig. Die Schweizer Regisseurin Christina Rast greift den atemlosen Ton auf und verteilt den Text auf vier Darsteller, die abwechselnd in die Rolle des prügelnden Vaters, des gedemütigten Sohnes, der schwachen Mutter und der Brüder schlüpfen. Thomas Frank, Sebastian Klein, Florian Köhler und Franz Solar liefern einen knapp zweistündigen, verstörenden und schmerzhaften Parforceritt durch ein Dickicht aus Demütigungen, Kränkungen und Träumen.“
(Irmgard Rieger, www.zeit.de, DPA, 1. Mai 2014)
„In der Version von Kluck und der Uraufführungs-Regisseurin Christina Rast ist es eine rasend turbulente Hölle. [...] Eine Wort- und Phrasenkanonade aus heiß laufenden Mündern: […] Blitzschnell schlüpfen die vier in andere Rollen, in jene des rabiaten Vaters natürlich, den die Nazi-Geschichte „nicht zum Säufer gemacht hat, sondern zum Schwein“. Oder in jene der Mutter, wofür ausreichend weiße Kleider zur Verfügung stehen. In angedeuteten Arkaden stehen Kerzen, Kreuze und Marienfiguren. Das bigotte Ambiente ist klar. [...] Thomas Frank, Sebastian Klein, Florian Köhler und Franz Solar bleiben auch in identischer Kleidung eigene Persönlichkeiten, Leute mit Schrullen und Macken. Der Text ist raffiniert typengerecht aufgeteilt.“
(Reinhard Kriechbaum, www.nachtkritik.de, 30. April 2014)
„Das irrwitzige Spieltempo schadet gewiss nicht, die Sprache des routinierten Situationsschilderers, des geeichten Wortartisten und Formulierungs-Drechslers Andreas Altmann gewinnt so noch an Brillanz uns es stellen sich viele Pointen ein. Erstaunlicherweise kann man auch viel Lachen an diesem Abend, auch wenn’s gelegentlich im Hals steckenbleibt. Ein Vorzug dieser Scheißlebens-Rückschau ist ja, dass ihr Larmoyanz völlig fehlt. Der (Selbst)Ironie helfen Oliver Kluck und Christina Rast sehr gezielt nach. In ruhigen Momenten wissen sie aber sehr wohl aus Ungeheuerliche zu fokussieren.“
(Reinhard Kriechbaum, www.drehpunktkultur.at, 2. Mai 2014)